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Interview mit der BÖRLIND GmbH - Ausgezeichnet als SOZIAL VERANTWORTLICHER ARBEITGEBER

  • team13112
  • 25. Sept.
  • 6 Min. Lesezeit

Die BÖRLIND GmbH aus Calw im Schwarzwald hat sich erfolgreich für das Qualitätssiegel SOZIAL VERANTWORTLICHER ARBEITGEBER qualifiziert. Nach dem Motto „Nicht schwätzen, sondern machen“ stehen Geschäftsführer Nicolas Lindner und das Unternehmen seit vielen Jahren für Nachhaltigkeit, Fairness und eine Unternehmenskultur, die ökologische Verantwortung mit sozialem Engagement verbindet. Im Gespräch mit WORK PLACE ONE erklärt Simone Schrön, Leiterin Human Resources, wie Werte gelebt, Mitarbeitende gefördert und Nachhaltigkeit in allen Unternehmensbereichen konsequent umgesetzt werden.


Portrait von Simone Schrön, Head of Human Resources bei der Börlind GmbH
Simone Schrön, Head of Human Resources, BÖRLIND GmbH
"Wir ruhen uns auf dem Siegel nicht aus – es ist ein Startpunkt für die nächsten Etappen unserer Reise." - Simone Schrön, BÖRLIND GmbH

Was bedeutet Ihnen die Auszeichnung als „Sozial Verantwortlicher Arbeitgeber“ – gerade in einer Branche, in der Konsument:innen zunehmend Wert auf Transparenz und Nachhaltigkeit legen?


Für uns ist das Siegel eine wertvolle Bestätigung dessen, was wir seit Jahrzehnten leben. Als Naturkosmetik‑Hersteller war Nachhaltigkeit nie Marketing‑Accessoire, sondern Teil unserer DNA. Die Auszeichnung zeigt, dass wir soziale Verantwortung nicht nur proklamieren, sondern im Unternehmensalltag verankert haben – von fairen Arbeitsbedingungen über Gleichstellung bis hin zu gesellschaftlichem Engagement. Gleichzeitig ist sie ein Ansporn, unseren Weg weiterzugehen. Konsument:innen sind heute zu Recht kritisch; sie schauen hinter die Kulissen. Mit dem Siegel können wir ihnen belegen, dass wir unseren Werten treu bleiben, und wir fühlen uns verpflichtet, diesen Vertrauensvorschuss täglich aufs Neue zu rechtfertigen.



Ihr Leitmotiv lautet: „Was aus der Natur entnommen wird, muss ihr zurückgegeben werden“. Wie leben Sie diesen Grundsatz im Arbeitsalltag und in der Unternehmenskultur?


Unsere Gründerin Annemarie Lindner prägte den Satz „Was ich nicht essen kann, gebe ich nicht auf meine Haut“. Dieses Denken zieht sich bis heute durch alle Prozesse: Unsere Verpackungen folgen dem Eco‑Design‑Prinzip – vermeiden, reduzieren, recyceln, wiederverwenden, nicht recycelbare Abfälle haben wir bereits deutlich reduziert. Wir nutzen seit 2012 100 % Ökostrom und rüsten derzeit eine Photovoltaikanlage auf, die künftig rund die Hälfte unseres Energiebedarfs decken soll. Die Mission 2025 fokussierte die Reduktion von CO₂, die Verringerung von Verpackungen, den Schutz von Menschen und Natur. In unserer Unternehmenskultur zeigt sich der Leitsatz in fairen Arbeitsbedingungen, der Förderung von Vielfalt und einer ausgeprägten Team‑Orientierung.



Unternehmenskultur & Miteinander

Als regionales Familienunternehmen legen Sie Wert auf persönlichen Kontakt „über den Tellerrand hinaus“. Wie wirkt sich das auf die Zusammenarbeit im Team aus?


Als Familienunternehmen kennen sich viele Kolleg:innen seit Jahren. Der persönliche Austausch „über den Tiegelrand hinaus“ sorgt dafür, dass wir uns nicht in Silos verlieren: Produktentwickler:innen sprechen mit der Logistik, das Marketing steht regelmäßig mit der Produktion im Austausch. Unsere Kommunikation ist durch hybride „Treppengespräche“ – Betriebsversammlungen, die vor Ort und online übertragen werden – transparent und niedrigschwellig. Teamevents wie Firmenfeiern, Jahreauftakt­veranstaltungen oder gemeinsame Führungstage stärken den Zusammenhalt und schaffen Raum für informelles Miteinander.



Sie haben in Ihrer Organisation eine etablierte Vertrauensperson und regelmäßige Mitarbeiterbefragungen. Welche Bedeutung hat dieser offene Dialog?


Unsere Mitarbeitenden wissen am besten, wo Prozesse haken oder Verbesserungen möglich sind. Deshalb haben wir Vertrauensperson und anonyme Meldewege eingerichtet und führen regelmäßige Zufriedenheits‑ und Kulturanalysen durch. Nicolas Lindner, Geschäftsführer und Mitinhaber der BÖRLIND GmbH, beschreibt unsere Haltung so: In herausfordernden Situationen „fahren wir auf Sicht“ und sind „auf den Input und die Kreativität unserer Mitarbeitenden angewiesen“. Offener Dialog und Transparenz ermöglichen, dass Fehler schnell angesprochen werden und Innovation entstehen kann. Für uns ist das kein Einbahnstraßen‑Feedback, sondern ein echter Austausch – Anregungen aus den Befragungen fließen in unsere Maßnahmen ein, und wir geben transparent Rückmeldung.



BÖRLIND setzt in allen Bereichen auf digitale Tools und hybride Kommunikationswege. Welche Vorteile haben sich daraus für Ihre Mitarbeitenden ergeben?


Spätestens seit der Pandemie sind hybride Meetings und Microsoft Teams fester Bestandteil. Unsere Betriebsversammlungen („Treppengespräche“) werden aufgezeichnet; Kolleg:innen im Außendienst oder im Homeoffice können live teilnehmen oder sie später nachhören. Digitale Tools erleichtern flexible Arbeitsmodelle (z. B. Gleitzeitkonten in der Verwaltung) und stärken die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Sie schaffen auch neue Möglichkeiten, Ideen einzubringen – beispielsweise über interne Innovationsplattformen.



Wie unterstützen Sie gezielt die digitale Weiterbildung – etwa über die BÖRLIND Akademie?


Die BÖRLIND Akademie steht allen Mitarbeitenden offen. Neben Pflichttrainings für Führungskräfte bieten wir Schulungen zu digitalen Kompetenzen, Nachhaltigkeit und Diversity. Individueller Schulungsbedarf kann direkt über die Akademie angemeldet werden, sodass wir Angebote passgenau entwickeln. Darüber hinaus fördern wir einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess mit eigenem Innovationsprozess und einem Arbeitskreis Nachhaltigkeit. Diese Verbindung aus strukturierten Programmen und persönlicher Eigeninitiative sorgt dafür, dass unsere Mitarbeitenden stets auf dem neuesten Stand bleiben.



Sie haben die Mission 2025 erfolgreich abgeschlossen und arbeiten bereits an Mission 2033. Welche neuen Ziele sind Ihnen besonders wichtig?


Mit Mission 2025 haben wir wichtige Meilensteine wie die Reduktion von CO₂ und Verpackungen erreicht. Für die neue Strategie bis 2033 denken wir noch ganzheitlicher: Wir wollen unsere Energieversorgung mit der neuen Photovoltaikanlage weiter dekarbonisieren und den restlichen CO₂‑Fußabdruck messen und kompensieren. Verpackungsbeipackzettel werden abgeschafft, um Ressourcen zu sparen.


"Unsere Ziele richten sich an den drei Dimensionen Ökologie, Ökonomie und Soziales aus, um langfristig klimapositiv zu werden."



Ihre Maßnahmen reichen von Eco‑Design‑Verpackungen bis zu einer eigenen Photovoltaikanlage. Wie gelingt es, Nachhaltigkeit fest in den Unternehmensprozessen zu verankern?


Zunächst braucht es klare Prinzipien: Unsere Verpackungen werden nach dem Eco‑Design‑Prinzip konzipiert, und nicht recycelbare Abfälle haben wir bereits um 30 % reduziert. Eine neue Sortieranlage hat unsere Recyclingquote verbessert und das Abfallaufkommen um 50 t verringert. Seit 2012 beziehen wir 100 % Ökostrom; Energieeffizienzmaßnahmen wie LED‑Beleuchtung und Bewegungsmelder sind Standard, und die Photovoltaikanlage wird künftig 50 % des Energiebedarfs decken. Nachhaltigkeit ist aber nicht nur ein Technik‑Thema: Wir haben eine Nachhaltigkeitsbeauftragte und einen Arbeitskreis, der diese Themen kontinuierlich vorantreibt. Mitarbeitende werden regelmäßig informiert und geschult, und unsere Missionen geben einen strategischen Rahmen, an dem sich alle Abteilungen orientieren.



Sie beziehen viele Rohstoffe aus fair gehandelten, zertifizierten Projekten. Welche Rolle spielt diese Lieferkettenverantwortung für Ihre Marke?


Ohne hochwertige, fair gehandelte Rohstoffe gäbe es unsere Produkte nicht. Wir verpflichten uns zu sozialen und ökologischen Standards entlang der Lieferkette. Viele unserer Öle und Extrakte stammen aus biologischem Anbau und aus sozialen Projekten. Unser Selbstverständnis ist, nicht auf Kosten anderer – also von Mensch und Natur – erfolgreich sein zu wollen. Obwohl wir nach dem neuen Gesetz nicht mehr zu einem Nachhaltigkeitsbericht verpflichtet wären, haben wir 2025 eine Wesentlichkeitsanalyse durchgeführt und mögliche negative Auswirkungen identifiziert. Die Ergebnisse fließen nun in die neue Nachhaltigkeits‑Strategie ein. Verantwortungsvolle Beschaffung ist für uns also kein Randthema, sondern Kernbestandteil unserer Markenidentität und Voraussetzung für das Vertrauen unserer Kundschaft.



Welche Chancen bietet die BÖRLIND Akademie für persönliche Weiterentwicklung?


Die Akademie ist unsere interne „Hochschule“: Alle Mitarbeitenden – vom Labor bis zum Vertrieb – können sich über Angebote informieren und anmelden. Neben Fachtrainings bieten wir auch Soft‑Skill‑Programme, Seminare zu Führung, Diversity, Equity & Inclusion und Gesundheits­angebote an. Wir fördern Eigenverantwortung, Partizipation und Innovationsfähigkeit unserer Mitarbeitenden. Die Akademie trägt so dazu bei, dass jeder seine Stärken ausbauen und sich für neue Aufgaben qualifizieren kann.



Sie arbeiten seit über 40 Jahren mit Behindertenwerkstätten zusammen. Was bedeutet Ihnen dieses Engagement?


Unsere Kooperation mit der GWW Calw gibt es länger als manchen Mitarbeitenden. Gemeinsam haben wir über 3.400 Projekte umgesetzt. Für uns ist das keine Wohltätigkeit, sondern gelebte Inklusion: Menschen mit Behinderung sind verlässliche Partner in unserer Wertschöpfungskette. Das Siegel würdigt auch dieses Engagement. Darüber hinaus unterstützen wir regelmäßig soziale Einrichtungen wie Frauenhäuser mit Sach‑, Geld- und Produktspenden. Dieses gesellschaftliche Engagement ist für uns Ausdruck unserer Verwurzelung in der Region und Teil unserer Unternehmenskultur.



Was möchten Sie anderen Unternehmen mitgeben, die sich auf den Weg zu mehr sozialer Verantwortung machen wollen?


Fangen Sie bei Ihren Werten an. Nachhaltigkeit darf kein Trend sein, sondern muss – wie bei uns – Teil der Unternehmens‑DNA sein. Setzen Sie sich konkrete, messbare Ziele und lassen Sie sich an ihnen messen. Binden Sie Mitarbeitende und Stakeholder ein, schaffen Sie Transparenz und nutzen Sie deren Ideen. Wagen Sie den Perspektivwechsel: Verantwortung entlang der Lieferkette, faire Arbeitsbedingungen und soziales Engagement zahlen auf den langfristigen Erfolg ein.


"…Und bleiben Sie gelassen – Perfektion gibt es nicht, aber jeder Schritt zählt. Oder, wie wir im Schwarzwald sagen: „Nicht schwätzen, sondern machen."


Welche nächsten Schritte planen Sie, um Ihre Position als Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit und sozialer Verantwortung weiter auszubauen?


Unsere Agenda für die kommenden Jahre ist umfangreich: Wir setzen die neue Nachhaltigkeitsstrategie um, installieren die Photovoltaikanlage und sanieren unser Gebäude energetisch. Wir eliminieren Beipackzettel, erweitern unsere PETA‑approved‑ und COSMOS‑Natural‑zertifizierten Produkte und messen und kompensieren systematisch unseren CO₂‑Fußabdruck. Wir werden 1.000 Bäume im Schwarzwald pflanzen und weiterhin soziale Projekte sowie die GWW Calw unterstützen. Gleichzeitig investieren wir in digitale Prozesse, erweitern unsere Akademie und fördern Vielfalt. Kurz: Wir ruhen uns auf dem Siegel nicht aus – es ist ein Startpunkt für die nächsten Etappen unserer Reise.




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BÖRLIND GmbH

Lindenstraße 15

75365 Calw

Black Forest, Germany









 
 
 

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